Granada

Ein Streifzug durch die Alhambra in Granada

„Sprich wenig Worte und du wirst in Frieden gehen”

Eine Atmosphäre von 1001 Nacht liegt über den historischen Städten Andalusiens und für mich persönlich ist Granada mit seinem Sultanspalast, der Alhambra, „der roten Zitadelle“ das Zentrum dieses orientalischen Zaubers in Europa.

…….

Dort oben, wo die Berggipfel der Sierra Nevada zum greifen nah‘ erscheinen, auf den Burgmauern zu sitzen, in den prachtvollen Gärten mit seinen Wasserspielen zu wandeln; gegenüber auf das älteste Stadtviertel Granadas, das Albaycin, zu sehen, oder einfach nur die Aussicht auf Granada zu genießen; ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich seit Ende der 80er Jahre schon hier war, aber ich weiß, daß es für mich kaum einen anderen Platz auf der Welt gibt, der mich so fasziniert und in den Bann zieht wie dieser Ort.

……..

………….

Wie sagte Granadas großer Dichter Frederico García Lorca: Die Stunden in Granada, seien hier länger und gehaltvoller als in jeder anderen Stadt Spaniens“ … ich kann ihm nur zustimmen.

Auch das Sprichwort der Bettler bzw. die Worte des Poeten Francisco Icaza spiegeln die Magie Granadas wider: „Gibt Ihm Almosen, es gibt nichts traurigeres im Leben, als blind in Granada zu sein“

-Nicht zuletzt war es aber auch der Amerikanische Schriftsteller Washington Irving, der Granada im Jahr 1832 mit seinen „Erzählungen von der Alhambra“ das erste mal auf die Urlaubskarte brachte. Auf einer seiner Reisen gelangte er nach Granada und zur Alhambra und blieb für einige Monate auf der Alhambra wohnen. In dieser Zeit verfasste er einige großartige Geschichten über Granada und die Alhambra.  Ihm wurde ein Brunnen am Eingang zum Tor der Gerechtigkeit gewidmet.

Obwohl es fast genauso schön ist vom alten maurischen Stadtviertel, dem Albaycin, auf den Berg mit seiner Roten Burg zu blicken; -denn die Mauern erglühen im Licht der wechselnden Tageszeiten in den unterschiedlichsten Farbnuancen eines zarten Rots. Der Eisenhaltige Ton, aus dem die Ziegel gefertigt wurden, ist für dieses einmalige Farbenspiel verantwortlich und der erste Blick auf die schlichten Außenmauern der Alhambra verrät nicht, welche Schätze sich im Innern des Palastes verbergen.

……

über 700 Jahre hatten die Mauren die Oberhand in Spanien. Es begann im Jahr 711 als der Araber Tarik über das Mittelmeer kam und die Berber und Mauren anfingen, das christliche Reich Spanien zu erobern und nach und nach fast das ganze Land unter islamische Herrschaft brachten. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte gab es mehrere Bürgerkriege und einige Teile Spaniens wurden auch recht zügig wieder von den Christen zurückerobert. Doch das Königreich Granada trotzte all dem bis zum Jahr 1492. Nachdem 1487 erst Malaga, dann 1489 Almeria gefallen war und von den Christen wieder zurückerobert war, begann 1491 auch die Belagerung von Granada. Mit der Eroberung von Granada durch die Christen fiel nach über 700 Jahren nun auch die letzte muslimische Bastion auf der iberischen Halbinsel und der letzte Sultan von Granada kapitulierte.

…..

Hier, ….  irgendwo in den Bergen der Sierra Nevada stand am 2. Januar 1492 der letzte Maurische König und Herrscher der Alhambra, Muhammad XII, -genannt Boabdil- und schaute ein letztes Mal auf sein geliebtes Granada. Er war von den spanischen Königen Isabella von Kastillien und Ferdinand von Aragonien ins südandalusische Bergland, in die Alpujarras, verbannt worden, (wo er noch bis 1494 auf den ihm von den Spaniern zugewiesenen Gütern lebte, bis er sich dann nach Fès in Marokko zurückzog) und vergoss viele Tränen bei dem Gedanken, die feuchte farbige Pracht der Roten Burg, der Alhambra, alsbald mit den trockenen Wüsten Nordafrikas eintauschen zu müssen.

Überlieferungen zufolge machte er nahe bei Padul, kurz vor den Toren Granadas, noch einmal Halt, stieß ein „Allah akhbar – Gott ist groß aus“ und Blickte ein letztes Mal hinauf zu seinem verlorenen Besitz, der Alhambra. Diese Stelle heißt seitdem „El ultimo suspiro del Moro“ – der letzte Seufzer des Mauren …  Boabdils kämpferische und nicht so sentimentale Mutter schalt ihn an dieser Stelle mit den Worten „er solle nicht wie ein Weib bedauern, was er zuvor nicht wie ein Mann habe verteidigen können“

…….
nun aber zurück zur Alhambra ….

…..

Vielleicht war es hier, vor dem Tor der Gerechtigkeit, wo er den Schlüssel zur Alhambra dem katholischen König übergeben musste. Fast wie ein Abschiedsgruss wirkt die über dem Tor in Stein gemeißelte Hand die den Nasridenherrschern auf der Alhambra über Hunderte von Jahren hinweg Schutz geboten hatte. Die Heilige Jungfrau Maria steht seit dieser Zeit in einer Nische über dem Tor inmitten der wundervollen, vielfarbigen Kacheln, den azulejos.

Als der Sultan Boabdil ging, endete die fast 800 jährige Geschichte der Araber in Spanien. Plätschernde Brunnen und blühende Gärten hinterließen die Nasriden. Klares Wasser war für die in Andalusien lebenden Araber die größte Leidenschaft.

…………..

Gegenüber der Alhambra liegt der Sommerpalast der Nasridenherrscher, der Generalife. Hier dem Geräusch des fließenden und fallenden Wassers zu lauschen galt ihnen als paradiesisches Glück. Als der Stammvater der Dyanstie die Alhambra im frühen 13. Jahrhundert die Alhambra erbauen ließ,  machte er das Wasser zum dominierenden Element im Sultansplast. Seitdem verfeinern geometrisch angelegte Wasserpfade die Alhambra.

………………..

3 arabische Königshöfe lebten in der Roten Burg. Höfe, die Mauer an Mauer gebaut und durch Gänge miteinander verbunden wurden. „tret’ ein und habe keine Angst um Gerechtigkeit zu bitten – du wirst sie erhalten“ -diesen Spruch finden wir im Quarto Dorado, dem goldenen Zimmer. Die mit Gold verzierte Zedernholzdecke war ein würdiger Rahmen für die Justizbeamten, die den Sultan oder den Kadi berieten. Jeden Montag und Donnerstag Vormittag saßen sie im Mexuar, dem Gerichtshof und schlichteten Streit, verurteilten Diebe, bestraften Betrüger. Am Ende des Raumes befindet sich ein Oratorium, ein kleiner, nach Mekka gerichteter Raum, der Reich geschmückt ist und auf das Albaicín blicken lässt.

Die südliche Außenwand wirkt wie ein kunstgeschichtliches Lehrbuch in dem Künstler die hohe islamische Kunst der islamischen Dekoration verewigt haben. Textbänder, Blatt- und Rankenmotive, Friese und geometrische Figuren finden wir. Die Meister ließen sich durch das Pflanzenreich inspirieren und sie formten Rundbilder aus Gips mit arabischen Sinnsprüchen. Die Ornamente wurden bis zum Ende des 13. Jahrhunderts noch einzeln und von Hand modelliert. Danach wurde die Arbeit durch Schablonen rationalisiert.

Diese kunstvollen Inschriften zu entziffern ist übrigens nicht einmal für arabische Muttersprachler einfach, denn vieles wurde noch in kufischer Schrift geschrieben. Der Leiter der Forschungsgruppe, Juan Castilla, sagt selbst, daß es eigentlich unglaublich ist, daß diese Arbeit noch niemand anderes gemacht hat; -obwohl der Traum, die vielen Inschriften zu verstehen bis zu den katholischen Königen Isabella und Ferdinand zurückgeht, hat man es bis heute noch nicht geschafft, sie zu entziffern und zu verstehen. Bis zum Jahr 2011 sollen die Arbeiten nun abgeschlossen sein. Dazu sollen die ca. 10.000 Inschriften übersetzt und katalogisiert werden.

Die Kalligraphie ist die einzig erlaubte Form um den Koran künstlerisch zu gestalten. Gedichte und Botschaften des Propheten finden wir in den Schriftbändern zwischen den Arabesquen und den immer wieder kehrenden Schriftzug: „Gott allein ist der Sieger“ – der Wappenspruch der Nasriden. Damals war die Fassade noch bunt bemalt, ihre Reliefs sind mit Blattgold versehen und die Türen aus Bronze glänzen wie Gold. Und irgendwo ein Schriftband mit folgenden Worten:

„Unvergleichlich ist dies Becken. Allah, der Erhabene wollte dass an wunderbarem Reiz es alles überstrahlen sollte. Blitzend wie im Wettstreit mit dem Diamantenschmuck der Schale fallen Tropfen flüssigen Silbers stäuben von dem Wasserstrahle“

………

Die große Kunst der Araber bestand darin, das Wasser als Dekorationsmittel so einzusetzen, dass es die Mauerziegel und dem Marmor ideal ergänzte. Brunnenarchitekten ersannen Konstruktionen, um das Wasser nicht direkt auf die Oberfläche sprudeln zu lassen, denn der Teich sollte spiegelglatt bleiben. Um diesen Effekt zu erzielen, wurde die Geschwindigkeit des Wassers in den runden Brunnen gebremst. Der enge Kanal verengte den Zufluss und somit kam das Wasser sehr langsam und ruhig in das Becken.

Der Palacio de Comares wurde als eigentlicher privater Wohnsitz des Herrschers erbaut. Das Zenrum des Palastes ist der Myrtenhof (Patio de los Arrayanes) mit seinen vielen Säulen. Hier, im Myrtenhof, empfing der Sultan vornehme Gäste. In seinem Zentrum steht ein Wasserbecken, indem sich die schlanken und fast zerbrechlich wirkenden Säulen im Wasser spiegeln. Der Myrtenhof verkörpert in vollendeter Weise das Wesen der Baukunst der Nasriden, -ihre enge Verbindung mit der Natur. Der Hof ist umgeben mit Gebäuden hinter deren Fenster man sich Verwaltungsfachleute vorstellen mag. Von hier aus wurde das kleine Reich regiert, wurden Steuern erhoben, Gesetze erlassen, für die Ordnung der Bewässerungsanlagen gesorgt.

Der Torre de Comares beherbergt den Saal der Gesandten (Salón de Embajadores) -Hier traf sich der Sultan mit Politikern und Diplomaten fremder Länder. Wenn Mauern sprächen könnten, würden diese Mauern uns von dem einst so gefürchteten Geschick der arabischen Diplomaten erzählen oder davon wie sich politisches Können sich in Intrigenspiel und Meuchelmord verwandelte. Vielleicht würden sie vom Einzug der katholischen Könige in die Alhambra berichten, vom Ende der Reconquista, der Rückeroberung Andalusiens durch die Christen.

Der Sockel des Saals ist bedeckt mit Fliesen. Diese Mosaikkunst spielt mit der Geometrie und wer sich auf die schon fast mathematischen Muster einlässt, dem tut sich eine abstrakte Welt auf. Eine Kunst der Linie, der Achse & der Symmetrie. An den Wänden dieses Raumes gibt es nicht einen Zentimeter der nicht von Stuckarbeiten verziert wäre. Dennoch wirkt nichts überladen. Alles wirkt harmonisch und passt perfekt zusammen. Und über dem Raum -wie die 7 Himmel des Koran- schwebt eine sternenübersähte Kuppel aus Zedernholz, Elfenbein und Perlmutt, die den Himmel represäntieren sollte. In diesem Raum ist auch die Inschrift „Sprich wenig Worte und du wirst in Frieden gehen” an der Wand zu finden.

Auch die Ruheräume (Banos de Comares) im Osten des Palastes, wo man sich nach dem Schwitzbad traf, sind reich ausgestattet. Badeanlagen wie die der Alhambra sind unabdingbar für die islamische Kultur und wurden auch gerne im Zusammenspiel von Politik und Diplomatie genutzt. So bunt bemalt könnten einst alle Wände der Alhambra ausgesehen haben. Die schlanken Pfeiler und die Wände waren in den üppigsten Farben ausgestattet.

Der Löwenhof (Patio de los Leones) gilt als Inbegriff der arabischen Architektur und stellt das Zentrum des Löwenpalastes dar (Palacio de los Leones). Die Wände und die Arabesquen waren einst in den Farben rot, grün, blau und gold gehalten. Die 124 Marmor-Säulen, deren arithmetisches Mittel, die 7 ergibt, stehen für den Tag der Vollendung der Schöpfung und sie strahlten golden zu Zeiten der Nasriden. Das Gold für die Säulen war das Geschenk eines Botschafters aus dem Sudan. Der Hof wurde als private Zone für die königliche Familie und den Harem erbaut und verdankt seinen Namen dem Löwenbrunnen mit den 12 Marmor-Löwen in seiner Mitte, die die 12 Monate, die 12 Tierkreiszeichen und den ewigen Kreislauf der Gestirne repräsentieren..

Aus ihrer Mitte entspringt das Wasser, der Quell des Lebens und ergießt sich in 4 kreuzförmig angeordnete, schmale Kanäle, die sich bis zu den Säulengängen erstrecken und von dort in die Hauptgemächer fliessen. Es sind die 4 Bäche des Paradieses, denn wie das Paradies des Korans sind der Hof und der ihn umgebende Palast.

Auf dem Löwenbrunnen stehen folgende Zeilen: „kommt vom himmel dieses wasser, kommt es aus der erdentiefen oder strömt es aus dem reichen gnadenborne des kalifen. sieh im staub vor dem gewaltigen, weil sie ihn in erfurcht scheuen liegen in gezähmter wildheit diese fürterlichen leuen“

An den Löwenhof grenzt der Saal der 2 Schwestern. Die Kuppel besteht aus einem fantastisch wuchernden Gewebe von 4000 Tropfsteinen. Dichtungen an den Wänden des Saales berichten von Beschneidungen die hier stattfinden. Hinter den Fensterverkleidungen stehen die Frauen des Sultans und singen zum Ritual.

Im Inneren dieses Saals befindet sich der Mirador de Lindaraja, ein Zimmer mit Ausblick in den schönen Lindarajahof. Dieses Zimmer war zur Zerstreuung der Lieblingsfrau des Sultans. Es ist zwar von kleinerer Dimension, ist wegen seiner exquisiten Verzierungen aber auch eines der schönsten Eckchen der Alhambra.

… …….

Eine Stalaktitendekoration ziert auch den Saal der Abencerrajen, welcher wahrscheinlich das Gemach des Königs war.  Boabdil, der letzte Sultan von Granadasoll dieses maurische Adelsgeschlecht zur Verteidigung seiner Herrschaft hier in einem grausamen Massaker ermeuchelt haben und noch heute wird die Legende erzählt, dass das Blut das hier geflossen ist, noch in regelmäßigen Abständen den Boden des kleinen Brunnens in der Mitte des Raumes Rot färbt.


Intime Feste kann man sich im Patio de los Reyes, in der Königshalle denken. Hier kann man sich den Sultan und seine Angehörigen vorstellen. Vielleicht beim Bankett, vielleicht trugen Dichter und Sänger ihre gereimten Verse vor.  Hier ruhten sie auf Polstern, tranken Tee, diskutierten über Philosophie, über Politik und über die Auslegung des Korans.

800 Jahre lang hatte das Wissen und die Toleranz der Mauren das leben in Spanien geprägt, die Kultur in West- und Mitteleuropa befruchtet. Die Vermittlung der Ideen und der Philosophien der Griechen und Römer verdanken wir den Arabern. -Ebenso wie die der Mathematik, der Astronomie, der Geographie sowie der Medizin und natürlich auch der Poesie. Das arabische war die Sprache der Wissenschaften und dementsprechend enstanden auch viele Schulen und Bibliotheken. Und was arabische Dichter geschrieben hatten, regte auch die Troubadoure in Frankreich und die Minnesäger in Deutschland an.

….

1492 fand die maurische Herrschaft jedoch ihr Ende. Zu Ende war es mit der Toleranz der Araber. die Reconquista –die Rückeroberung, war am Ziel, – Andalusien für die Christenheit zurückerobert und Spanien war spanisch ….. von Gibraltar bis an die Pyrenäen

…….

…………..

……..

Doch noch heute ist in Andalusien die lange Herrschaft der Mauren zu spüren. Sei es an den  imposanteren Bauwerken wie auch an den einfachen Gebäuden, an der Sprache, an der abwechslungsreichen Küche, am ausgefeilten Bewässerungssystem in der Landwirtschaft, was heute noch vielerorts betrieben wird, oder einfach auch am Lebensgefühl, der Kunstfertigkeit und der Toleranz der Menschen selbst …..

Die Geschichte und die Kultur der Araber hat die Seele Andalusiens geprägt und ist wie der Schlüssel zum heutigen Leben in diesem Land. -Nicht wenige Andalusier sind stolz auf Ihre maurische Vergangenheit und wer heute mit offenen Augen durch Andalusien reist, spürt immer noch den Zauber der maurischen Kultur. Andalusien ist ein wahrer Schatz und steckt voller Geschichten, Rätsel & Geheimnisse, die faszinieren.

…..

 

5 Kommentare zu “Granada

  1. Ein sehr schöner Bericht über die Alhambra Granada. Danke für die Recherche und die gelungenen Fotos dazu. Da wünscht man sich den nächsten Urlaub herbei um sich das alles selbst ansehen zu können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s